Land & Leute

Hinter der Rubrik Land & Leute verbirgt sich eine informative Entdeckungsreise nach Masuren, in die nordöstliche Region Polens. Wir informieren in kurzen, stickpunktartigen Beiträgen zu regionalen Besonderheiten, geschichtlichen Fakten, Sehenswürdigkeiten und vielen weiteren Dingen. Außerdem erfahren Sie manch Wissenswertes, das Ihnen bei Ihrem Aufenthalt östlich der Oder vielfach weiterhelfen kann. Wer detailliertere Informationen über einzelne Städte, Dörfer oder Güter mit deren Sehenswürdigkeiten und ihrer Geschichte nachlesen will, wird auf der Website ostpreussen.net fündig werden.

Masuren

Gelegen in der nordöstlichen Region der Republik Polen, ist Masuren kein geografisch eindeutig festgelegtes Gebiet. Allgemein wird davon ausgegangen, dass sich die Region Masuren im Sechseck von Lyck, Johannisburg, Ortelsburg, Neidenburg, Sensburg, Angerburg, und Treuburg (Ełk, Pisz, Szczytno, Nidzica, Mrągowo, Węgorzewo, Olecko) befindet. Es umfasst also die große Seenplatte mit Lötzen (Giżycko) und Nikolaiken (Mikołajki) in der Mitte, und mit den Waldgebieten der Johannisburger Heide (Puszcza Piska) im Süden und der Borker Heide (Puszcza Borecka) im Nordosten. 

Ursprünglich bewohnt war der Landstrich von den prußischen Stämmen der Sudauer und Galinder. Der Name Masuren ist ethnographischer Natur und leitet sich ab von den meist evangelischen Zuwanderern aus dem südlicher liegenden ehemaligen katholischen Herzogtum Masowien. Seit dem 13. Jahrhundert, mit Beginn der gewaltsamen Christianisierung, wurde Masuren ein Teil des Deutschen Ordenslandes. Nach der Selbstauflösung des Ordensstaates (1525) gehörte Masuren zum Herzogtum (später Königreich) Preußen und war ein wesentlicher Bestandteil der Provinz Ostpreußen im Deutschen Reich.

Seen und Flüsse

Masuren, aber auch das verhältnismäßig kleine Ermland im Westen der Region, ist bekannt für seine einzigartige Landschaft, neben seine Wäldern den unzähligen Seen. Landschaftlich ähnelt die Masurische Seenplatte der Mecklenburgischen oder der Pommerschen. Sie wird „Land der tausend Seen“ genannt, obwohl es fast dreimal so viele Seen mit einer Größe von über einem Hektar gibt. 

Die Hauptstadt der Region, das ermländische Allenstein (Olsztyn) liegt sogar an elf Seen. Der größte der Seen ist der Spirdingsee (jezioro Śniardwy, 114 km²), gefolgt vom Mauersee (jezioro Mamry) mit einer Fläche von 104 km². Etwa 40% der Seen-platte stehen unter Naturschutz. Die Gewässer sind allgemein sehr fischreich. Hier finden Sie viele Süßwasserfische, von denen Zander, Maräne und Barsch die bekanntesten Speisefische sind. 

Viele Seen sind miteinander verbunden und werden gerne für Kajak- und Kanutouren benutzt. Großer Beliebtheit bei den Wassersportlern erfreuen sich die Flüsse Alle (Łyna), die über den Pregel im Norden in das Frische Haff (Mierzeja Wiślana) und die Ostsee mündet und Krutinna (Krutyń), die etwa 100 km lang ist und den Status eines Reservats hat.

Man kann entweder an einer organisierten Wasserwandertour teilnehmen oder ein Kajak selbst mieten und im eigenen Tempo die Natur erkunden. In mehreren Ortschaften am Fluss können Sie ein Kanu oder Kajak ausleihen. Ein Schwimmpass wird dafür nicht verlangt. Eine besondere Attraktion ist der Oberländische Kanal, ein technisches Denkmal, das die Städte Osterode (Ostróda), Deutsch Eylau (Iława) und Elbing (Elbląg) miteinander verbindet. Um diese Städte und ihre Seen auf dem Wasserweg mit dem Frischen Haff verbinden zu können, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts fünf Rollberge errichtet, auf denen die Schiffe zur Bewältigung des Höhenunterschieds von 99 Metern auf Schienenwagen über Land transportiert werden.

Regionale Speisen

Echte ostpreußische Küche ist nur selten zu finden. Wenn dies überhaupt gelingen soll, dann schon am ehesten in Privathäusern und Gaststätten, deren Inhaber zu der Bevölkerungsgruppe gehören, die seit der Vorkriegszeit in diesem Landstrich beheimatet sind. Unter geheimnisvollen Namen stehen häufig Variationen der polnischen Standardküche auf den Speisekarten, die als masurische oder ermländische Spezialitäten gelten sollen. Trotzdem lohnt es sich, nach ihnen zu suchen, insbesondere wenn sie mit eigenen oder regionalen Zutaten zubereitet werden. In der nie besonders reichen Region hat man immer einfach und bescheiden gekocht.

Zu den bekanntesten Gerichten gehören Königsberger Klopse mit Kapern, Schwarzsauer, Kartoffelflinsen und Fleck. Die zwei letzten sind weit verbreitet und als Placki ziemniaczane und Flaki bekannt. Die Nachkriegssiedler haben aus Ost- und Zentralpolen, bzw. Westlitauen und -ukraine ihre eigenen Gerichte mitgebracht. Empfehlenswert sind Maultaschen (Pierogi) und Rote-Bete-Suppe (Barszcz), die am besten bei ukrainischen Familien schmecken. Im Sommer wird Rote-Bete-Suppe kalt mit viel Jogurt und frischem Gemüse als Chłodnik serviert.

Bewohner & Gastfreundschaft

1945 wurde die Bevölkerung der Region nach 700 Jahren unter deutscher Verwaltung fast vollständig ausgetauscht. Vor allem auf dem Lande aber auch in größeren Städten leben noch insgesamt 12.000 Deutsche, die sich teilweise in Vereinen organisiert haben. Außer ihnen sind Ukrainer die größte nichtpolnische Minderheit in der Region, die aus dem Grenzgebiet Westukraine/Ostpolen hier hergebracht und angesiedelt worden sind. Außer ihnen gibt es in Masuren noch 11 weitere Volksgruppen. Die deutsche Sprache ist heute nur wenig verbreitet, aber mit denjenigen Gastgebern, die Gäste aus dem deutschsprachigen Raum empfangen, verständigen Sie sich problemlos. Englisch und unter der älteren Generation Russisch werden auf akzeptablem Niveau gesprochen. Mit dem Zuzug der Bevölkerung aus dem Osten hat in der Region nach dem II. Weltkrieg die sprichwörtliche polnische Gastfreundschaft Platz gefunden. Daher sollen Sie bei einer Einladung auf ein üppiges Menü mit reichlich alkoholischen Getränken gut vorbereitet sein.

Preise und Lebenshaltungs­kosten

Die Preise für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs sind für die einhei-mische Bevölkerung relativ hoch. Für Personen aus dem Euroraum sind sie aber oft viel günstiger, als in ihren Heimatländern. Bei größeren Einkäufen lohnt es sich, diese im Supermarkt zu machen. Kleine Tante-Emma-Läden auf dem Lande sind sehr teuer. 

Angeln in Polen

 

Urlauber dürfen auch ohne Polnischen Sportfischerpass für 6 Wochen angeln, sie benötigen aber für polnische Gewässer einen gültigen Angelschein. An privaten Gewässern können sie diesen beim Eigentümer oder Pächter erwerben. Aber Achtung: Schwarzangler müssen mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Boote mit 6 PS Außenborder sind in Polen führerscheinfrei, ihre Benutzung in der Nacht ist nicht erlaubt. Das Angeln mit lebendigem Köderfisch ist derzeit noch erlaubt. In ausgewiesenen Naturschutzgebieten ist das Angeln verboten.

Fahrradtourismus

Es gibt es immer mehr Stellen, an denen man ein Fahrrad mieten kann. Für ambitionierte Fahrradsportler ist es am besten, sie kommen mit dem eigenen Rad nach Polen. Es gibt auch einige Veranstalter, die Fahrradtouren mit Führung organisieren. Da die meisten Wälder in der Region staatlich sind, können sie ebenso wie Feldwege befahren werden.  Das Fahrrad muss mindestens eine weiße oder gelbe Vorderlampe, eine Rückleuchte, einen roten Rückstrahler hinten, eine Bremse, eine nicht erschreckende Klingel aufweisen.

Für Anfänger ist die Green Velo Route zu empfehlen, die ständig erweitert wird und ausführlich beschrieben ist. Sie führt durch die Woiwodschaft Warmia i Mazury.

Segelsport

Für Segelboote bis 7,5 m Rumpflänge ist kein Segelschein erforderlich. In der Praxis müssen Sie ihn jedoch immer dann vorlegen, wenn Sie ein Segelboot mieten möchten. Die besten und abwechslungsreichsten Segelrouten gibt es auf der Masurischen Seeplatte. 

Ihren Segeltörn können Sie z. B. In Lötzen (Giżycko) anfangen und in Angerburg (Węgorzewo) beenden. Bevor Sie losfahren, sollten Sie sich nach eventuellen Untiefen oder Sandbänken erkundigen (insbesondere auf dem Spirdingsee) und prüfen, ob und wo Sie während der Fahrt den Mast umlegen müssen. Es ist untersagt, Alkohol am Bord zu trinken und Inseln zu betreten. 

Am Bord müssen Sie pro Person einen Rettungsring, mindestens ein Paddel und eine Rettungsweste mitführen. Es besteht jedoch keine Pflicht in Rettungswesten zu segeln.

Sehenswürdigkeiten

Ermland und Masuren wird nicht nur von Seen und Wäldern geprägt, sondern auch von den vielfältigen architektonischen Hinterlassenschaften aus fast 800 Jahren deutscher und europäischer Geschichte. Der Deutsche Orden baute eine große Anzahl von Ritterburgen zur Beherrschung und zur Verwaltung des Landes. Eindrucksvollstes Beispiel dafür ist die von den Polen meisterhaft restaurierte Marienburg (Malbork), ein Hauptwerk der Backsteingotik und weltweit größter Burgkomplex, einst die Hauptstadt des Ordensstaates. Überlebt haben aber u. a. auch die sehenswerte Bischofsburg in Heilsberg (Lidzbark Warmiński), die Kopernikusburg in Allenstein (Olsztyn), die Burgen in Neidenburg (Nidzica) und Rastenburg (Kętrzyn). Ebenfalls aus der Ordenszeit stammen etliche Backsteinkirchen und Rathäuser, z. B. die alten Rathäuser in Mohrungen (Morąg), Pr. Holland (Pasłęk) und Marienburg (Malbork), sowie die Basilika St. Jacob in Allenstein, die Kirchenburg in Frauenburg (Frombork) oder die wiedererstandene Kirche in Braunsberg (Braniewo). Besonders eindrucksvolle barocke Kirchen aus dem gegenreformatorischen Ermland haben die Zeiten bis heute überdauert, allen voran die prächtige Kirche in Heiligelinde (Święta Lipka), die sich jedoch bereits im Ausland, in Masuren, befand.

Ostpreußen war ein Agrarland, die Kornkammer des Deutschen Reiches, das von kleinen und großen Bauernhöfen und vielfach von Gutsbetrieben bewirtschaftet wurde. Aus dieser Zeit haben sich eine Reihe von Gutshäusern und Schlössern erhalten, so z. B. das Königsschloss in Dönhoffstädt (Drogosze), das als Residenz für den durchreisenden Landesherrn gedacht war, oder der Adelssitz der Familie von Lehndorff in Steinort (Sztynort) am Mauersee oder die Ruinen der einst schönsten ostpreußischen Königsschlösser in Finckenstein (Kamieniec) und Schlobitten (Słobity). Viele Gutshäuser werden heute von Polen genutzt und gepflegt wie z. B. Galiny (Gallingen) und Nakomiady (Eichmedien). Teile der Innenausstattung von Gutshäusern und Gemälde findet man in Museen, z. B. in den Burgen von Allenstein und Rastenburg und im Dohna-Schlößchen in Mohrungen (Morąg). Auch wenn die vielen kleinen Städtchen im 2. Weltkrieg etliche Substanz verloren haben, trifft man auf einige Beispiele der einst deutschen Stadtkultur, so z. B. in Sensburg (Mrągowo), Ortelsburg (Szczytno) oder Rößel (Reszel). Die grauslichen Relikte der Kriegszeit findet man in der Wolfsschanze bei Rastenburg, Hitlers Hauptquartier für die Eroberung der Sowjetunion, sowie unweit von dort am Mauersee das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres, ein großer Komplex von 30 Riesenbunkern, die vielfach erhalten sind.

Die Polen haben eine erhebliche Anzahl von Nationalparks angelegt, Naturschutzreservate, die gut ausgeschildert sind. In Popiellnen (Popielno) am Spirdingssee hat sich eine Versuchsstation für die Aufzucht von Tarpan- und Przewalskipferden, alten südrussischen und mongolischen Wildpferden, etabliert. Im Vogelschutz-Reservat „Luckneinensee“ („Jezioro Łuknajno“) in Lucknainen nordwestlich des Spirdingsees hat sich eine Kolonie von über 1.000 Schwänen niedergelassen, die größte Konzentration von Schwänen in Mitteleuropa. 

In Lahna/Allendorf (Łyna) nördlich von Neidenburg (Nidzica) befindet sich das Quellgebiet des Flusses Alle (Łyna). Die malerische Landschaft, in der man erlebt, wie sich der Fluss an einem Berghang aus vielen kleinen Rinnsalen zusammen-fügt, wird geschützt durch das Reservat „Quellen des Flusses Alle“ („Źródła rzeki Łyny“)

Pferdeland Ostpreußen

Während in den westlichen Provinzen des Deutschen Reichs vornehmlich die gemächlichen Rinder als Zugtiere auf den Äckern eingesetzt wurden, musste man in Ostpreußen wegen der kürzeren Vegetationsperiode sehr viel zügiger arbeiten. Die Saat musste schneller ausgebracht und die Ernte schneller eingebracht werden. Das schafften nur Pferde.

Schon zur Ordenszeit gab es eine weit verbreitete Pferdezucht. In Ostpreußen begann man im 18.Jh. unter König Friedrich Wilhelm I. mit einer systematischen und effektiven Pferdezucht, die in den nachfolgenden Jahrzehnten immer mehr ausgebaut und verfeinert wurde. Das Ergebnis waren die einst weltberühmten ostpreußischen Pferde, die Trakehner. Gezüchtet wurde vor allem das edle Reitpferd, wobei man einheimische Pferde mit Vollblütern kreuzte. Im Ergebnis entstanden dadurch Halbblüter mit 25% einheimischem, 25% arabischem und 50% englischem Blut. Die Trakehner Tiere hatten kräftig gebaute Gliedmaßen mit wohlgeformtem Kopf, schön angesetztem Hals, geradrückigem Körper, länglichrunder Kruppe und mittelbreiter Brust. Sie waren ausdauernd, schnell und bedürfnislos, gelehrig, folgsam und geduldig. Die ostpreußische Halbblutzucht ergab viele hervorragende Rennpferde, die mit den Vollblütern erfolgreich konkurrieren konnten.

Ausgangspunkt für die staatliche Hochzucht war das Hauptgestüt in Trakehnen, das heute im russischen Teil Ostpreußens liegt und nur noch ein Pferd besitzt: den bronzenen Tempelhüter. Zum Hauptgestüt gehörten etliche staatliche Landgestüte, aber auch viele Gestüte, die von privaten Züchtern geführt wurden. In Polen haben sich davon die Landgestüte in Rastenburg (Kętrzyn), und Marienwerder (Kwidzyn) erhalten. Darüber hinaus bekannt sind die heutigen Hauptgestüte in Weeskenhof (Rzeczna) bei Pr. Holland, Plenkitten (Plękity) nördlich von Osterode (Ostróda) und Liesken (Liski) bei Bartenstein (Bartoszyce). Im nichtstaatlichen Bereich hat das Gestüt Ferenstein in Galkowen/Nickelshorst (Gałkowo) einen guten Ruf. Dorthin hatte Graf Potocki das alte Steinorter Jagdhaus umsiedeln lassen, das heute ein uriges Lokal beherbergt. Für Reiterferien in Masuren gibt es vielfältige Reitmöglichkeiten. Auf mehreren Reiterhöfen werden Reiterwettbewerbe organisiert, von denen vor allem jene in Gallingen (Galiny), Alt Pötzdorf (Pacółtowo) und Galkowen/Nickelshorst (Gałkowo) – „Gałkowo Cup“ – bekannt sind.